Januar bis März 2013 – Winterarbeiten und Stürme – EMELY-Tagebuch

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Puerto Andratx im winterlichen Zwilicht

Einmal muss es ja regnen..

Hier sind wir – an der Mole des öffentlichen Hafens

Kaffeekränzchen bei Freunden
hmmm, lecker..

Sonntag, 20.Januar 2013 (schon der 20te..)

Das Boot strengt an. Die letzten Wochen habe ich mich verstärkt auf die Renovierungsarbeiten an Bord konzentriert und – bei strahlendem Sonnenschein und über 20 Grad – das Oberdeck vom Rost befreit – die einzelnen, meist nur kleinen Stellen, werden z.T. mit dem Stechbeitel aufgeschlagen und sauber ausgeschliffen. Dann kommen mehrere Arbeitsgänge mit Rostumwandler und immer wieder nachschleifen, schliesslich Epoxiprimer zum Versiegeln; einige tiefere Stellen werden zusätzlich gespachtelt und wieder geschliffen, dann mehrere Schichten weisser Lack – denn der Spachtel ist rosa, der Primer sogar dunkelbraun.. Das Oberdeck ist nun fertig mit den Vorabeiten, sodass ich gleich mit dem Süllrand weiter gemacht habe – denn aussen der Rumpf über Wasser soll mal wieder einen neuen blauen Anstrich bekommen.

Zwei Wochen früher als letztes Jahr, dh. vor einer knappen Woche schon, hat nun das schlechte Wetter bereits angefangen – der mallorquinische Winter;  Wolken, Sturm und vereinzelt auch Regen. Letzten Mittwoch, als es stürmte und regnete, meinte Dieter plötzlich, er wolle den Fussboden im Salon anschleifen;  seitdem sitze ich täglich da und lackiere. Der Boden wäre eigentlich schon letztes Jahr fällig gewesen. Es sieht sehr schön aus – nicht ganz wie neu, weil die Flecken von den alten, jetzt leider schon recht tiefen, Dellen dringeblieben sind (wir wollten nicht das Teakfurnier wegschleifen) – aber sehr gepflegt. Von den Lackierarbeiten, die immerhin täglich mindestens 1 1/2 Stunden dauern – es soll ja sorgfältig sein – haben wir regelmässig einen schweren Kopf und verziehen uns in die Achterkoje zum Filme gucken, bis der Lack ausgedampft und trocken ist.

Ich bei meiner Lieblingsbeschäftigung

vorher..

..nachher 🙂

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Aufklaren in Puerto Andratx:
Mit zwei Ankern befestigt

Freitag morgen haben wir uns wegen der angesagten Wettersituation – ein allerheftigster, langanhaltender Sturm aus West/Südwest – nach Palmanova verlegt. 3 Stunden ziemliches Geschaukel unter Motor, da nach drei Tagen Starkwind und leider auch hoher Welle, nun kurzfristig statt wenig Wind natürlich gleich totale Flaute war, jedoch noch immer Querwelle von 1 1/2 Metern stand. Klar, als wir in Palmanova ankamen, briste der Wind natürlich zum kurzfristigen schönen Segelwetter auf, doch die Wellen stiegen auch schnell wieder an, sodass wir dann doch froh waren, einfach dort in der sicheren geschützten Ecke der Bucht zu ankern.

Hier in Palmanova liegen wir nun ruhig und sicher mit 50 Meter Ankerkette und wenig Schaukeln. Die letzten zwei Tage hörten wir dann immer wieder das Heulen des Windes in allen Lautstärken – weiter unten auf der ungeschützten Seite des Südwestens (Santa Ponsa und Puerto Andratx) muss es wohl sehr heftig gewesen sein.

Zwischenzeitlich findet noch die Fiesta San Antoni statt sowie die grosse, einwöchige Fiesta San Sebastian in Palma. Doch davon ein anderes mal mehr. Wegen des kühlen und schlechten Wetters waren wir diesmal nur beim Barbeque in Santa Ponsa.

In der Sonne an Deck ist es nicht wirklich kalt, wären die starken Windboen nicht, die mir das Wäsche Aufhängen richtig schwer machen. Der Wind bringt auch die Kälte, sodass man sich nach kurzer Zeit im Pullover draussen durchgeforen fühlt, Arbeiten zur Zeit an Deck unmöglich. Gut festgepickt trudelt die Wäsche über dem Schiff, und die Wäscheleine verdreht sich sogar – doch alles hält sicher und ist nach zwei Stunden trocken.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Gestern endlich die letzte Lackschicht auf den Boden gegeben, der Salon ist wieder schön. Jetzt ist der Küchenboden an der Reihe, danach alle Küchenschränke.

Genau um Mitternacht tobt der Sturm los – zum Glück aus West, also von Land herüber, sodass sich auf See hier in der Bucht keine Welle aufbaut. Nach einer Stunde Hin- und Hergezerre an der Ankerkette schwappt es aber trotzdem ganz schön. Als der Sturm einen Augenblick die Puste verliert, kurbeln wir schnell noch das Dinghi an den Davits hoch; somit hängt es sicher hinter dem Heck und kann nicht abreissen, davontreiben.

An Schlafen ist jetzt vorerst nicht zu denken, wir warten, ob der Anker hält. Der hat sich gut in dem kleinen Sandspot festgezogen, und EMELY schwoit an 50 Meter Kette im Wind hin und her. Der Wetterbericht den wir natürlich sofort wieder zu Rate ziehen, zeigt für die nächsten Tage immer stärkeren Wind aus West – Nordwest – Südwest – das heftigste kommt wohl erst noch. Von 2:00 Uhr bis 9:00 Uhr soll der Wind etwas nachlassen, um dafür am Morgen umso heftiger wieder aufzubrausen – den ganzen Tag und auch Donnerstag noch. Wir beschliessen zu schlafen, um für härteres im Notfall fit zu sein. Alles ist gut aufgeklart:  An Deck liegt (sowieso) nichts herum, und das Dinghi ist nun sicher. Der Anker scheint zu halten, und selbst, wenn wir auf Drift gehen sollten, bläst der Wind uns mit grosser Wahrscheinlichkeit nur aus der Bucht auf offene See heraus – das merken wir dann schon. Trotzdem setzt Dieter noch einen Ankeralarm im Handy, der läutet, wenn wir mehr als 45 Meter vom Standort abweichen.

Am nächsten Morgen zeigt der Windmesser als höchstes knapp 60 Knoten in der Nacht gemessen an, und es pfeift schon wieder.., auch die nächste Nacht und den Donnerstag.

Samstag, 02. Februar 2013

Nach der Fussboden-Lackieraktion verbrachten wir ein paar schöne Tage mit unseren Freunden aus Hamburg: Mit Kochen, gut essen, essen gehen.  Das Wetter spielte letztes Wochenende einigermassen mit, und diese Woche hatten wir  sogar wieder richtig ‚Sommer‘; mit Sonne pur bei bis zu 24 Grad und Windstille, sodass ich die Arbeiten an Deck wieder aufnahm.  Seit heute nacht stürmt es nun schon wieder aus West, Nordwest oder Südwest, heute hat’s sogar 10 Minuten geregnet – und das auch noch tagsüber!

In Puerto Andratx ist seit dem letzten Sturm der Strom auf der Mole ausgefallen, sodass es momentan keinen Sinn macht, dorthin zurück zu kehren.

Im Winter einsam –
die Bucht von Palmanova

Nachdem wir gestern EMELY in Puerto Portals mit Wasser und Diesel versorgt haben, liegen wir wieder sicher in der riesigen Bucht von Palmanova, als eines von drei Booten überhaupt – wie ruhig und einsam.

30.01.2013

Bei dem wunderschönen Wetter fahren wir
mal an der Ostküste spazieren..

Porto Pedro – ganz am Ende
der grossen Bucht

In den Gärten blühen sogar
schon die ersten Mandeln!

Februar 2013

02.02.  Heute hat Dieter nun die neue elektrische Toilette ins Achterbad eingebaut. Dazu musste erst der alte, dicke Abwasserschlauch durch mehrere Wände in der Bilge und zwischen weiteren Rohren und Kabeln hindurch herausgezogen werden, was einem grösseren Kampf gleichkam – mit Rütteln, Zerren und Stossen. Zum Schluss siegten wir beide natürlich, und der Schlauch verlor – und hängt nun stinkend und in Einzelteilen über die Bordwand herunter 😉

das neue Rohr (schneeweiss) in Loch in Boden stopfen… :-I

Der neue Schlauch, mit seinen 7 Metern leider noch etwas dicker und sperriger als der andere, stellte sich leider nicht besser an als sein Vorgänger, sodass wir nach zwei Stunden Drücken auf der einen Seite und Ziehen auf der anderen Seite der Wand – zusätzlich beim Hin- und Hergeschwanke des Schiffes am Anker bei Starkwind – abends recht k.o. sind und früh zu Bett gehen. Morgen wird die Toilette noch im gefliesten Boden verschraubt, sowiePumpe, Steuereinheit und Schaltmechanismus angeschlossen und verkabelt. Und natürlich wünsche ich mir einen schönen Holzschrank als Verkleidung dieser ganzen Pumptechnik 🙂

Nachmittags-Spaziergang am 03.02. ..

.. bei strahlend warmer Sonne.

Diese Palme wurde vom Sturm abgerissen.

Hier und da entdecken wir ein bischen Schnee auf den Bergen…

.. am 12.02.2013

.. am 25.02.2013

..und Mitte März bei mildem Wetter
sogar nochmal.

Vom 17. bis 23.02. gönnen wir uns einen Kurzurlaub auf Menorca – ohne EMELY…

März 2013

Diesen Monat habe ich wohl die wenigsten Fotos seit Jahren überhaupt gemacht – ganze 52 Stück, aus denen ich Euch wieder die besten zeige 😉

Dieter spielt Forscher…

… erkundet EMELY’s Tiefen…

… und rückt dem Rost zugrunde…

.. oder durchsucht EMELY’s Eingeweide.

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Nach dem Entrosten und Primern wird alles komplett angeschliffen…

Nach der nordischen Kälte in den ersten zwei Märzwochen haben wir die letzten beiden Wochen richtig rangeklotzt und jede Minute am Schiff gearbeitet – alles entrostet, geschliffen und lackiert.  Immer wieder durch kalten Nordwind und auch starken Südwest am Werkeln gehindert,  waren wir wirklich im Zeitdruck, denn die Osterferien beginnen dieses Jahr bereits Ende März.

uff, das dauert… circa 40 runde Edelstahl-Füsse, von Handläufen, Fenderkörben und sonstigem, müssen abgeklebt werden..

Das gesamte Vordeck erhält einen neuen Anstrich.

Auch Kleinteile wollen bearbeitet werden.

Kurz vor Ostern dann haben wir unseren ersten Törn. Von Andratx aus geht es Richtung Dragonera, was sich wegen des anhaltenden Südwest der letzten Tage etwas wellig und schwankig gestaltet, doch als wir hinter Dragonera den Kurs wechseln,  kommt plötzlich etwas mehr Wind auf, und wir können bis nach Sant Elm segeln;  und dann ankern wir in der geschützten Bucht im turkisfarbenen Wasser,  heute noch als einziges Boot ganz allein! Alle sind begeistert.

Nach unserer Rückkehr nach Puerto Andratx schaukeln Dieter und ich unsere EMELY weiter nach Palmanova. Hinter dem Kap hört der Seegang mit 1 Meter Querwelle endlich auf, und wir können das letzte Stück auf ruhiger See geniessen – bei lauer Abendtemperatur und der untergehenden Sonne in aller Ruhe geniessen. Mit der letzten Helligkeit treffen wir in Torrenova ein und finden im glasklaren Wasser noch einen schönen Sandspot um den Anker sicher zu legen.

Nach einer Woche Südwest-Wind ist es nun deutlich milder geworden, und in der Sonne schon richtig heiss für Sonnenbrand. Morgens ist es im Schiff schon 18 Grad, und durch die Sonne auf den grossen Frontfenstern wird es schnell wärmer, sodass wir keine Heizung mehr brauchen. Und abends im Dunkeln, im Dinghi auf dem Wasser, hält man es mit einer Jacke gut aus, ohne durchzufrieren. Endlich Frühling.

Ostern 2013 – ging an uns vorüber mit viel Arbeit…

Und am 31.03. geniessen wir nach dieser zähen Wind- und Kälteperiode endlich das erste Frühstück an Deck in der Sonne 🙂

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