EMELY – Winterreise Marokko 2013 / 2014 – IV – Hoch und trocken in Saidia

  
Freitag, 20.12.2013

Es ist ein seltsames Gefühl, noch nicht abgepallt, die Nacht über noch in den Gurten im Kran zu hängen; der Sturm heult mit Windstärke 9, und alles zittert und schwankt, doch nicht auf See sondern fünf Meter über der Erde…Gestern nachmittag um 15:30 war es endlich soweit, und wir fuhren ins Dock. Nachdem wir EMELY umdrehen mussten (die Genuastak passte nicht weit genug in den Travellift, und nach einigem Hin und Her beim Platzieren der Gurte (damit Echolot und Schraube nicht beschädigt wurden und auch das Gleichgewicht passte), hob sie der Travellift aus dem Wasser. Die Nachmittagsschicht im Hafen geht bis 23:00 Uhr, und so war es für die Arbeiter normal, nach Dunkelheit noch zu kärchern und uns weiter auf unseren Platz im Dock zu bugsieren. Noch hängen wir im Kran, was bei dem nachts aufkommenden Sturm ganz glücklich ist, denn heute muss zunächst mal geeignetes Holz zum Abstützen beschafft werden – ja,  EMELY ist keine Kleine…

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Samstag, 21.12.2013

Auch den gestrigen Tag und heute nacht hängen wir noch in den Gurten, da es immer noch aus West stürmt. Aus unserem Eingangsluk schauend, sehen wir auf die aufgebäumte See, die Einfahrt in den Hafen ist nicht mehr möglich; soweit man sehen kann, nur noch hohe, sich brechende Wellen, Schaum und Nebeldampf.

Heute morgen lässt der Sturm endlich nach, und EMELY wird festgepallt. Anschliessend fahren wir mit dem Bus in den Ort. Vom Regen ist der Boden lehmig und matschig, insbesondere die Gassen in den Souk. Der einzige Wasserschlauch ist wirklich noch dort, wir kaufen ihn und fahren zurück. Die Hafenarbeiter haben inzwischen eine stabile Leiter für uns organisiert (sie ist aus Latten selbstgebaut!), sodass wir leicht über die Badeplattform an Bord gelangen können.

Ohne Sturm und Regen funktioniert das WLAN der Capitainerie über unsere kleine Richtantenne an Bord meist so gerade noch für Internet, reicht leider nicht zum telefonieren.

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Immer noch Sturm, das Meer schäumt.

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stürmischer Weitblick von unserer ‚Aussichtsterrasse‘ 😉

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Massiv abgepallt mit neu getischlerten Böcken – das hält.

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Die Arbeiten können beginnen!

Sonntags kratzen wir bei strahlend warmem Sonnenschein die wenigen Überreste der Muscheln und Krusten vom Rumpf. Die Jungs haben beim Kärchern sehr gute Arbeit geleistet, alles ist schon recht sauber, sodass wir schon mit Anschleifen anfangen können.
Das Dock gefällt uns  sehr gut, alles sauber asphaltiert, eine ordentliche, moderne Marina.

Einzukaufen gibt es hier jedoch im Winter sehr wenig bis garnichts; im französischen Supermarkt vor der Marina gibt es das wichtigste zu essen (zu gleichen Preisen wie auf Mallorca), jedoch kein Fleisch. Alles, was auch nur nach ‚Luxus‘ riecht – Konserven, Käse, Kosmetika, Toilettenpapier, Knabbersachen und Bier und Wein – sind ungefähr drei- bis viermal so teuer wie in Spanien!!

In den kleinen, recht ärmlichen Souk, im 4 Km entfernten Ort, gibt es ein wenig Gemüse und Obst zu landestypischen (günstigen) Preisen. Alles übrige wird schwierig zu besorgen, vielleicht fahren wir einmal nach Berkane oder auch Nador. Zum Glück haben wir ein paar Vorräte und auch alles Arbeitsmaterial bereits mitgebracht.

Und das Internet funktioniert momentan..

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die andere Seite des Hafens – …
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kilometerlanger Sandstrand
im Hintergrund die Inseln der Chafarinas

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… und eine weitere neu gebaute Siedlung.

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Eingangstor zu ‚Medina‘, der Einkaufsmeile

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‚unser‘ Supermarkt, der einzige weit und breit.

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Hier in Strandnähe entstehen viele neue Siedlungen mit Villen oder Reihenhäusern…

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Kilometerlange Bretterzäune mit immer den gleichen zwei Plakaten…

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Mit dem Bus in den Ort

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Grosse Moschee im Zentrum

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die Mauern der Kashbah und die Berge Algeriens

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Reifenhändler, Fahrrad- und Autowerkstatt

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weiter drinnen, im nicht touristischen Teil des Ortes

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Schweisserei

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Ortsleben

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In jedem Viertel gibt es einen kleinen Lebensmittel-Laden.

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Flohmarkt am Samstag – hier findet man gebraucht alles mögliche…

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Eingang zu den Souk

Weihnachten 2013

Hier im islamischen Marokko ist Weihnachten kein Thema, ein Tag wie jeder andere.  Am Morgen erstehe ich in den Souk ein paar schöne Hühnerkeulen, die gut einbalsamiert in den Ofen wandern. Nach dem Weihnachtsmahl fahren wir auf den Klapprädern im lauen Wind um den Hafen herum zur Capitainerie, um von dort aus per WLAN/ Internet mit unseren Lieben in Deutschland zu telefonieren.

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25.12.2013

Der Sturm startet auf’s Neue. Zuerst aus Südwest von Land, später drehend.  Erst hört man ein fernes, noch leises Heulen, dann ist es höchste Zeit, noch herumliegende lose Dinge von Deck zu räumen – denn bereits eine Minute später ist der Shirocco mit voller Kraft zugange – bis zu 58 Knoten diesmal. Wir kontrollieren EMELY’s Stützen und helfen dann den Marineros, die anderen Boote um uns herum zu kontrollieren und sichern, zurren Planen fest,  suchen zusätzliche Pallhölzer. Der Sturm heult orkanartig, alles rüttelt und klappert.  Der Marinero erzählt mir, zuletzt habe es solch einen schweren Sturm vor 5 Jahren gegeben; der Winter hier ist jedes Jahr sehr warm und schön.  Laut Wetterbericht soll es noch bis morgen abend pfeifen..

Jahresende

Für uns endete das alte Jahr mit einer – sehr definitiven – Einladung zum Sylvester-Mittagessen des französischen Supermarktes, die uns etwas bizzar vorkam.  Wir aßen mit einigen Leuten der anliegenden Geschäfte  im kleinen Imbis;  es gab das traditionelle Couscous-Gericht mit zartem Lamm, Gemüse und Rosinen – sehr köstlich. Auch ein Geschenk erhielten wir vom Nikolaus… na, die Weinflasche ist hier wohl genauso teuer, wie alles, was wir bisher in diesem Supermarkt eingekauft haben…
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Sylvester verbrachten wir gemütlich an Bord; Feuerwerk gab’s hier keines. Abends gabs lecker Rindergoulasch und Dominospiel.

Da am 01. Januar der Strom ausgefallen war, konnten wir unsere Schleifmaschinen nicht gebrauchen und machten stattdessen bei wunderschönstem warmem Sonnenschein einen Strandspaziergang.
Hinter den Dünen liegt eine gepflasterte Promenade, die zu drei 5-Sterne Hotels führt – leider im Winter geschlossen. Wir sind ganz allein, nur die Security fährt einige Male vorbei – die wissen immer, wo wir sind.
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Januar 2014

Inzwischen hat der Arbeitstrott  bei uns so richtig eingesetzt – Dieter schleift das Antifouling an und behandelt einige offene Stellen, an denen der Spachtel nicht gehalten hat. Dort muss das freiliegende Eisen blankgeschliffen und gegen Rost behandelt werden;  später werden diese Stellen von mir mit Epoxiprimer eingepinselt.  Auch hat er bereits den Propeller nachgeschliffen, poliert und an der Welle gefettet.  Nebenbei hat er noch den Aussenborder gewartet.

Auch  Opferanoden haben wir bereits  von einem Mechaniker aus Nador schön günstig erhalten.

Währenddessen widme ich mich unserem Beiboot, bei dem Ober- und Unterschale der Hülle im Laufe der letzten Jahre mehr und mehr auseinandergerissen sind. Auch im Bootsinneren gibt es mehrere Risse im Kunststoff, alles soll mit Epoxi neu laminiert werden.  Die Tücke: Das Bootsmaterial ist ABS, ein sehr spezieller Kunststoff, auf dem nicht alle Epoxisorten haften – dies merke ich, als ich erste Versuche mit einem in Palma günstig erstandenen Industrieprodukt mache – am ersten Tag wunderbar fest, löst sich die Schicht wie Gummi nach einigen weiteren Tagen einfach ab – und das, obwohl ich alles supersorgfältig und so rauh wie möglich angeschliffen und gereinigt habe…   Ein weiterer Versuch mit einer angebrochenen, leider bereits halbleeren West-Packung zeigt schnell den Unterschied, und ich bin beruhigt, habe ich doch nichts falsch gemacht. Fazit: Das teure West-System muss her… meine Internetrecherche ergibt, dass es das Produkt in ganz Marokko nicht zu kaufen gibt… Epoxi scheint hier noch recht unbekannt.  Ich rotiere, spreche mit allen möglichen Leuten, warte auf Angebote… doch die Uhren hier im Süden drehen langsam…
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Hier auf dem Trockendock ist es recht einsam. Ein französisches Paar haben wir über’s Wochenende bei einem abendlichen Drink kennengelernt, leider reisten sie anderntags bereits wieder ab.
Hin und wieder sehen wir einige Arbeiter kommen oder gehen.  Rund um die Uhr hält ein Hafenmitarbeiter Wache und überprüft und hindert wirklich jeden, der sich unberechtigt den lagernden Booten nähert.  Der Nachtwächter hat sein Quartier unter EMELY, im Windschutz unseres Kiels, aufgeschlagen – ein seltsames Gefühl.

Die Nachmittage werkeln wir in aller Ruhe in der sommerlich heissen Sonne, an einigen Tagen schon fast zu warm zum arbeiten.

Samstags gibt es im Ort einen grösseren Gemüsemarkt, wohl mit den Händlern der beiliegenden Bauernhöfe, und auch einen Kleidermarkt und Flohmarkt. Nur Fleisch bleibt ein Problem. Es gibt im ganzen Ort drei Metzger und zwei weitere in den Souk, die alle Hammel und Lammfleisch haben – der in den Souk zusätzlich noch Truthahn, und bei einem in der etwas nobleren Touristenregion des Ortes, hängt manchmal ein Stück Rindfleisch – Kilopreis 18  EUR, nicht gerade günstig (in Spanien kaufen wir gutes Rinderfilet normalerweise für 7-8 EUR) Auch Truthahn ist hochpreisig, mit 8 EUR/kg – und das wird mit jedem Mal Nachfragen teurer…  Die verfügbare Menge scheint gering  – wir haben jedenfalls noch keine Kühe hier gesehen.

Inzwischen haben wir begriffen, dass das Leben hier erst am Spätnachmittag/ Abend beginnt:  Auch jetzt im Winter sind einige Clubs und Bars im Hafen nachts geöffnet, es gibt ein oder zwei,  die Alkohol ausschenken dürfen, sodass  wohl die reicheren Marokkaner aus den nächsten Orten, Berkane und Nador, mal eben mit ihren Autos einen Ausflug in den Hafen, ans Meer machen.  Die Disco tönt bis nachts um eins (jedoch immer noch leiser als in Santa Ponsa).

Und ist der Supermarkt tagsüber wie ausgestorben, kommt es doch vor, dass man abends an der Kasse sogar mal anstehen muss..

Sonntag, 26.01.2014

Nach vier Wochen Sommerwetter kam letztes Wochenende dann der dritte, heftigste Sturm mit bis zu 60kn;  und EMELY ist mit der vollen Seite genau der Wetterfront mit der Länge des Schiffes ausgesetzt…  wir spüren die leichten Vibrationen und man fängt dann schon einmal an zu grübeln, ob auch alles genügend stabil abgesichert ist. Na, es ist natürlich nichts passiert, wir haben supertolle, richtig gezimmerte Holzböcke bekommen, auf denen EMELY sicher ruht. Nur das Dinghi ist gut einen Meter schräg verrutscht – es steht auf dem Boden auf kurzen Hölzern. Mit dem Sturm kam auch der Regen, sodass wir nicht wirklich viel geschafft haben. Unsere Stimmung hält sich in Grenzen, zu allem Überfluss hat uns jetzt auch noch die allwinterliche Erkältung gepackt.

Zusätzlich fiel während des starken Regens noch der Trafo für den Hafen aus.  Nach einem Tag erhielten wir dann  eine einzige dünne 210V-Leitung für das Boot – mit Kabeltrommel, in die sich dann die Nachbarn einsteckten..   Doch nach ein paar Tagen wurde neues Kabel verlegt und alles ist wieder beim alten;  Wetter genial.

Heute wurde ein Auto!  gekrant – der Fahrer war  heute nacht nach der Disko ins Hafenbecken gedonnert…

(Fortsetzung folgt bald)

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